Ein Abend. Viele Stile. Ein Orchester.
Unter dieser Überschrift präsentierte sich am Samstag, den 18.07.2026, die Stadtkapelle dem Langenauer Publikum.
Bunte Strahler setzten die Bäume im Garten des Musikerheims in Szene und verliehen ihm mit Beginn der Dunkelheit eine besondere Atmosphäre.
Blasmusik, das sind doch schwungvolle Polkas und festliche Märsche? Aber findet sich die Stadtkapelle nicht eher im sinfonischen Bereich wieder? Beide Fragen ließen sich an diesem Abend mit einem Ja beantworten, denn das Orchester bot seinen Gästen die gesamte musikalische Bandbreite dar. In der ersten Hälfte dominierten vor allem Stücke, die der klassischen böhmisch/mährischen Blasmusik zuzuordnen sind. Doch auch, wenn drei Märsche auf dem Programm standen, war dieser Teil keineswegs fad. Wo „Blas‘ Musik in die Welt“ auf leichte und weiche Melodien der Flügelnhörner und Tenöre im Trio setzt, erklingt „Textilaku“ etwa gerader und festlicher. Höhepunkt vor der Pause war jedoch eindeutig ein Solo-Stück für ein Instrument, das sich sonst weit hinten im Orchester befindet und klanglich oft erst heraussticht, wenn es eben nicht besetzt ist. In „Farmer’s Tuba“ wurde diesem von Solist Patrick Wurzinger eine angemessene Bühne bereitet. Groovy, über mehrere Oktaven hinweg, fingerfertig und technisch anspruchsvoll – (auch) das ist Tubaspielen. Was Patrick hier lockerleicht präsentierte, verlangt einiges Können, das er als erfahrener Tubist und Dirigent in den letzten Jahren sammeln konnte.
In der zweiten Hälfte des Open Airs machten sich die Musikerinnen und Musiker – wie versprochen – auf zu weiteren Stilrichtungen. Mit „The Seventh Night of July“ zeigten sie ein sinfonisches Stück der Oberstufe, das thematisch bestens zum freien (Sternen-)Himmel passte. Danach wurde zu den poppig-rockigen Songs gewechselt. Das anspruchsvolle Udo-Jürgens-Arrangement von Guido Rennert überraschte die Gäste mit E-Gitarren-Sounds. Mal mischten sie sich mit denen von Blasinstrumenten und E-Piano, mal bereitete das Orchester den weichen Untergrund für die Solo-Gitarre. Mit Ronald Hinzpeter (E-Gitarre) und Hans-Martin Braunwarth (E-Piano) entstand so absolut mitreißende Musik. Sichtlich berührt wurde das Publikum im Anschluss auch von Valerie Hauff, die in „Ich gehör‘ nur mir“ von einer starken, aber gleichsam traurigen Botschaft sang. Die 25-jährige Klarinettistin überzeugte auch in den hohen Oktaven und setzte ihre Stimme gekonnt ein. Mit „Bohemian Rhapsody“ sowie „Music“ wurde das Open Air hymnenhaft beendet. Der weiche Klang von Walter Hauffs Stimme bereitete eine wohlige Gänsehaut und ließ das Publikum sicherlich mit einigen Ohrwürmern den Abend im Garten des Musikerheims ausklingen.